Tansania trauert um seinen Präsidenten

Präsident Dr. John Pombe Joseph Magufuli 2021

Bildquelle: Khalfan Said/AP/dpa/Archivbild
 
Gestern wurde offiziell der Tod des tansanischen Präsidenten Dr. John Pombe Joseph Magufuli bekanntgegeben. Wir trauern mit seiner Familie und der ganzen Nation und drücken unser tiefes Beileid und Mitgefühl aus.
 
Präsident Magufuli war seit 2015 im Amt und bewährte sich in den ersten Jahren als Hoffnungsträger für viele Menschen im Land. Magufuli studierte zunächst Lehramt, ehe er Chemiker wurde und in dem Fach promovierte. Danach fand er seinen Weg in die Politik. Er bekämpfte aktiv die Korruption und gab vielen Infrastrukturprojekten neuen Schub. Er forderte seine Landsleute zu mehr Eigeninitiative, Mut und Tatkraft auf und versuchte die ausufernde Verwaltung des Landes zu reformieren.
 
Zunehmend wurde seine Politik aber umstrittener. Kritik an seinem Kurs ließ Magufuli nicht zu. Wegen seines harten Umgangs mit allen Widersachern wurde er schließlich „der Bulldozer“ genannt. Viele Oppositionspolitiker und Journalisten wurden in den vergangenen Jahren verhaftet. Im Jahr 2020 wurde Magufuli in einer von Betrugsvorwürfen überschatteten Wahl im Amt bestätigt.
 
Spätestens seit der weltweiten Corona-Krise begann sein politischer Stern zu sinken. Tansania veröffentlichte seit Mai vergangenen Jahres keine Zahlen zu Corona-Infektionen und Todesfällen mehr. Der Präsident spielte die Gefahren einer Erkrankung immer wieder herunter. „Habt keine Angst und lasst euch vom Coronavirus nicht einschüchtern“, sagte er. „Lasst uns weiterarbeiten. Gott ist mit uns. Er wird uns retten.“ Er verweigerte bis zuletzt die Teilnahme am WHO-Impfprogram gegen Corona. So hat Tansania bis heute, im Gegensatz zu vielen seiner Nachbarländer, noch keine einzige Dosis Impfstoff bestellt oder erhalten.
 
Erst nachdem eine Reihe hochrangiger Regierungsmitglieder in den letzten Wochen verstarben und die Krankenhäuser im Land sich zu füllen begannen, gab er vorsichte Warnungen an die Bevölkerung aus. Oppositionspolitiker, eigene Parteimitglieder und selbst die Kirchen im Land kritisierten ihn zuletzt offen und baten die Menschen im Land sich besser zu schützen.
 
Sein Tod wurde zunächst offiziell mit Herzversagen begründet. Der Präsident war zuvor bereits drei Wochen nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten. Von staatlicher Seite war in der Zeit aber betont worden es gehe ihm gut. Die Wahrscheinlichkeit dass sein Tod auf eine Covid-19 Infektion zurückzuführen ist muss mit hoch bewertet werden, da er mit allen zuvor erkrankten und verstorbenen Regierungsmitgliedern in engem Kontakt stand.
 
Nach seinem Tod wird der Verfassung zufolge nun Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan die Regierung übernehmen. Sie kündigte eine vierzehntägige Staatstrauer an. Der Termin für die Beerdigung soll noch bekannt gegeben werden. Möglicherweise wird es nach einer Übergangszeit von 90 Tagen zu Neuwahlen im Land kommen.

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